Über 40 Jahre Bogenschießen im RSV von 1920 Detmold-Klüt e. V.
letzte Aktualisierung: 28.08.2017  
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Bogenschießen mit Anfängern

Peter Kollotzek: Gedanken zum Bogenschießen mit Anfängern

Immer wieder sieht man bei Turnieren die unterschiedlichsten Bewegungsabläufe, hört die abenteuerlichsten technischen Erklärungen, warum gerade dieser Pfeil geschossen werden muss, und schüttelt innerlich den Kopf darüber, wie gerade die jüngsten Turnierteilnehmer von ihren Betreuern „aufgebaut“ werden.
Ich bin kein geprüfter Bogenschieß-Trainer des Deutschen Schützenbundes - aber ehem. (Sport-)Dozent an der FHÖV Bielefeld und Sportlehrer im Ruhestand mit Leistungskurs-Erfahrungen (Biomechanik, Sportsoziologie, Sportmedizin, Methodik...) in der Schule, mit Lizenzen im Volleyball und Judo, Vereinsmanager-Ausbildung - sowie 10 Medaillen von 1994-2008 auf deutscher Ebene im Bogenschießen DSB/DBSV- und möchte mit meinem Beitrag einen kleinen Anstoß geben, vielleicht den einen oder anderen Weg auch einmal auszuprobieren. Vielleicht lässt sich ja eine fruchtbare Diskussion eröffnen.

Die Motivation

Warum kommt ein Kind oder ein Jugendlicher zum Bogenschießen? Er hat den Sport gesehen, er hat sich ein Bild aus Büchern oder anderen Vorbildern gemacht, und er will sich selbst beweisen, dass er diese scheinbar leichte Sache auch kann. Er sucht also (s)ein Erfolgserlebnis. Und das sollten wir ihm dann auch vermitteln.

Nun, was aber meine ich mit „Erfolgserlebnis“? Das kann nicht das zufällige Treffen der Scheibe sein; auch nicht das Gefühl, alleine einmal eine tolle Leistung erbracht zu haben. Das muss auch das Wissen darum sein, dass über den Spaß hinaus das erfolgsorientierte Bogenschießen ein umfangreiches Training verlangt. Schon das sollte in der ersten Stunde klar sein! Denn wir kennen alle die Begeisterung des Anfängers, die nach drei bis vier Wochen dann aber auf einem Nullpunkt angekommen ist, weil es einfach nicht klappen will, und der dann zu Hause bleibt. Wenn die Motivation auch dann noch stimmt, wird es schon noch klappen.

Der Trainer

In die Anfängerausbildung gehört der/die auch pädagogisch beste (nicht "erfolgreichste"!) Schütze/Schützin des Vereins, denn die in der ersten Ausbildungsstunde nicht korrigierten groben Fehler trägt der Schütze immer mit sich. Nur ein von Anfang an optimaler und minimalisierter Bewegungsablauf kann später dauerhaften Erfolg garantieren. Und es ist gar nicht aufwendig, von Anfang an die "richtige" Bewegung des Bogenschießens zu vermitteln - wenn man sie kennt.

Das Material

Der Bogen

Hier werden die nächsten grundlegenden Fehler gemacht. Die Zugstärke sollte so gewählt werden, dass sie etwa bei 50 % der möglichen Zugleistung liegt. Je nach Alter und Konstitution des Anfängers könnten das 18-22 lbs (etwa 8-10 kg) sein, bei Kindern und Jugendlichen noch weniger. Beim japanischen Bogenschießen Kyudo wird dies ermittelt, indem man den Anfänger zwei gleichstarke Bögen gleichzeitig ziehen lässt. Wenn es ihm gelingt, erhält er einen der beiden Bögen. Nach Erfahrungen der Trainingslehre ist die Belastung von 50 % im Grunde zu gering, um einen echten Muskel-Aufbaueffekt zu erreichen, man schult bestenfalls die Ausdauer. So kann die Konzentration des Anfängers auf die Bewegung des Bogenschießens gelenkt werden. Es gibt nichts Schlimmeres, als einen Anfänger mit einem zu hohen Zuggewicht zu belasten.

Die Pfeile

Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, alte Aluminiumpfeile (2015/2115) mit Naturfedern (aus meinem Bestand) für die Anfänger zu benutzen. Die in der Regel zu steifen Pfeile sind nach wenigen Metern so stabil in der Luft, dass die möglichen Ziele in kurzen Entfernungen von maximal fünf Metern auch bei Differenzen in der Auszugslänge ohne größere Schwierigkeiten getroffen werden können. Anfängerpfeile sind Verbrauchsmaterial! Erst ab einem bestimmten Stadium kann der Anfänger Unterschiede bei den Pfeilen bemerken.

Das Ziel

Auch hier treten die meisten Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten auf. Ich tendiere dazu, die Scheiben zu Beginn auf maximal fünf Meter zu stellen, um sicherzustellen, dass kein Pfeil die Scheibe verfehlt. (Gerade draußen ist sonst häufig das Pfeilsuchen angesagt und stört den üblichen Betrieb.) Weiterhin werden technische Fehler bei der Länge des Auszuges nicht so bitter bestraft wie bei größeren Entfernungen. Ganz wichtig ist für mich aber, für jeden Schützen seine eigene Auflage (Größe: DIN A 5-Blatt) so zu befestigen, dass sie sich genau in der Höhe des abzuschießenden Pfeiles befindet. Das Erste, das ein Schütze lernen muss, ist immer wieder der genau waagerechte Abschuss! Wechselnde, schräge Haltungen durch Aufwärts- oder Abwärts-Schießen verderben jedes intensive Kennenlernen des eigenen Bewegungsablaufes. Sie vermitteln ein falsches Körpergefühl durch häufige Veränderung des "T" zwischen Armen und senkrechter Linie durch den Oberkörper.

Die Schießtechnik

Auch hier gehen die Meinungen weit auseinander. Sie reichen von: „Ich lasse den Anfänger einfach mal mit einem Blankbogen schießen, wie er will...“ bis zu „Ich fange gleich mit dem Visierbogen an.“ Sicherlich ist beides möglich.

Die Konfrontation mit dem Visier kann von der „richtigen“ Bewegung ablenken, da man zu sehr zielorientiert arbeitet - der Einstieg mit dem Blankbogen vermittelt, wenn später Visierbogen geschossen werden soll, eine zunächst völlig andere Bewegungsvorstellung!

Meine persönliche Meinung: Das Prinzip des ursprünglichen Bogenschießens versteht der Anfänger am besten beim Üben mit dem Blankbogen. Wenn der Anfänger dann begriffen hat, dass die Veränderungen der Zughand und das Ankern unter dem Kinn lediglich dazu dient, den Pfeil parallel zur gelernten Blankbogen-Technik von der Wange nach unten zu versetzen, um dann auf weitere Entfernungen ein Ziel auch mit höher angestelltem Bogenarm noch eindeutig anvisieren zu können, wird ihm die Umstellung recht schnell gelingen.

Über die Verwendung bestimmter Tabs oder Handschuhe gehen die Meinungen weit auseinander.

Das Lösen ist für den Anfänger das Hauptproblem. Es ist schwer, Spannung im Rücken, im gesamten Oberkörper, im Bogenarm beizubehalten, während die Zughand in einem bestimmten Augenblick die Finger ganz locker entspannen muss. Das ist eine Frage der Übung. Hier wird jeder seine eigenen Erfahrungen machen müssen.

Exkurs: Die Anfänger beim japanischen Bogenschießen haben bei sehr geringen Zugstärken von unter 30 lbs. das gleiche Problem und lösen es wie folgt: Der von Zeigefinger und Mittelfinger gehaltene Daumen „schnippt“ aktiv im Augenblick des Abschusses aus der Umklammerung der beiden Finger heraus. -

Ich löse das Problem bei mir mit dem Recurvebogen wie folgt: Zeigefinger, Mittel- und Ringfinger halten die Sehne, der Daumen liegt so am Hals, dass die Daumenspitze am Kehlkopf anliegt. Die Finger bilden mit dem Daumen fast einen Kreis. Beim Lösen öffne ich unter weiterem Zug im rechten Ellenbogen die Finger, der Daumen arbeitet dabei in Gegenrichtung - also in Richtung Hals. Damit sollen sich die Bewegungen der Hand kraftmäßig ausgleichen. (Bei der KSL-Methode wirkt der Daumen als "Hebel".)

Generell sollte man im Bereich der Technikschulung als Trainer immer nur einen Fehler, den wichtigsten Fehler des Anfängers korrigieren, der für ein Misslingen ursächlich ist.

Zur Vermittlung der Schießtechnik:

Bei mir hat es sich sinnvoll erwiesen, bei einer Gruppe von Anfängern „militärisch“ vorzugehen. Das bedeutet, dass die Bewegungen vom Betreten der Schießlinie bis zum Verlassen in einem immer gleichen Zeitraster auf Anordnung des Trainers ausgeführt werden. Es darf nicht üblich sein, dass der eine Anfänger nach 20 Sekunden seine drei Pfeile (mehr gib es nie!) irgendwohin geschossen hat und jetzt hinter der Linie herumtobt, während der andere noch gerade seinen zweiten Pfeil einnockt.

Die „Kommandos“ können zum Beispiel lauten:

zur Schießlinie - linkes Bein vor die Linie setzen - rechtes Bein hinter der Linie - Bogen auf den linken Fuß - PAUSE - Pfeil aus dem Köcher nehmen - Bogen vor den Körper - Pfeil einnocken - Pfeil auf die Pfeilauflage - Bogen auf den linken Fuß - PAUSE - Blick zum Ziel (später auch zur Kontrolle des Windes...) - Blick zum Bogen (Kontrolle) - rechte Hand an die Sehne - leichte Spannung - PAUSE - Blick zum Ziel - Bogen mit gestrecktem linken Arm anheben (bis der Pfeil genau waagerecht in der nötigen Schusshöhe liegt) - Spannen - Ankerpunkt - rechten Ellenbogen fast hinter die Schulterlinie - „einundzwanzig“ - Schuss - Bogen abstellen ... - [nach dem dritten Pfeil] ...PAUSE - den Nebenmann wahrnehmen - langsam von der Schießlinie zurück“

Die Hinweise zur Atmung sollten erfolgen, wenn der obige Bewegungsablauf automatisiert worden ist. Erfahrungsgemäß geschieht das Atmen bei einem gleichmäßig ruhigen Bewegungsablauf automatisch richtig.

Zielfehler oder Schießfehler:

Die Pfeile werden sich nach einiger Zeit auf der Entfernung von fünf Metern schon etwas enger einfinden, so dass die Entfernung langsam vergrößert werden kann. Tipp: Wenn das DIN A 5-Blatt immer getroffen wird, jeweils um zwei Meter die Scheibe zurücksetzen.

Bei drei Pfeilen kann nach einiger Zeit schon festgestellt werden, ob Zielfehler oder Schießfehler auftreten. Zur Überprüfung von Zielfehlern wird mit dem zweite Pfeil auf den ersten gezielt, mit dem dritten auf den zweiten.

Zeigt sich ein einheitliches Bild, zum Beispiel eine Linie nach links unten, kann das Visier geändert oder der Zielpunkt entsprechend verlegt werden.

Zeigt sich kein einheitliches Bild, liegt ein Schießfehler vor. Das bedeutet, die Schießtechnik ist nicht gleichmäßig.

Bekleidung:

Die Kleidung eines Bogenschützen ist Sport- und keine Straßenkleidung: Also ein nicht zu buntes T-Shirt und eine einfarbige Sporthose sowie Sportschuhe! 
Selbstverständlich zieht man sich zum Training um!
Das gilt besonders für starke Raucher, die von mir nur in "rauchfreier Bekleidung" an die Schießlinie gelassen werden.
Wenn von Anbeginn darauf geachtet wird, gibt es bei Turnieren oder Meisterschaften keinerlei Irritationen - und der Kampfrichter hat es leichter.

 

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Saison 2017 - TRAINING  
  SOMMER (ab April 2017)
Sportplatz Detmold-Klüt
tägliches Training möglich
- meist Gummistiefel nötig -
- Gäste nur nach Anmeldung -
Aufsicht: mi./fr. 17-19 Uhr
Anfänger: freitags 17 Uhr
0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0
WINTER (Saison 2018 ab Oktober)
montags: 20-22 Uhr (Wettkampftr.)
mittwochs: 18-22 Uhr (alle)
freitags: 17-19 Uhr Anfänger
freitags: 19-22 Uhr erfahrene S.
- Gäste 3 € nur nach Anmeldung -
Halle: Stadtgymnasium Detmold
 
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